Sammlungen der Bibliothek
Sammlungsschwerpunkte liegen in der historischen und allgemein geistes- und sozialwissenschaftlichen Literatur aus und über Südosteuropa. Literatur zu den Sprachen und südosteuropäische Beletristik werden in geringerem Umfang gesammelt. Hervorzuheben sind neben den Nachlassbeständen (s.u.) die Karten (die derzeit in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Regensburg zum Teil digitalisiert werden) und die außergewöhnliche Sammlung südosteuropäischer Zeitungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die als wichtiger zeithistorischer Quellenbestand gelten kann.
Bibliothek von Gerasimos Kaklamanis
Gerasimos Kaklamanis (1940-2003) wurde in Griechenland auf der ionischen Insel Lefkada geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in Frankreich und Deutschland. Er studierte in Athen und Paris Mathematik, Philosophie und Geschichte. Zeit seines Lebens war er als freiberuflicher Schriftsteller tätig. Sein literarisches Werk besteht aus 7 Büchern in griechischer Sprache. Das Buch 'I Anatoliki Mesogeios Os Europaiki Istoria' (Tomos 1) kann als sein bedeutenstes Werk angesehen werden.
Das zentrale Anliegen seiner wissenschaftlichen und politischen Arbeit war es, auf die besondere Bedeutung des Mittelmeerraumes als Brücke zwischen Europa und dem Nahen Osten publizistisch aufmerksam zu machen. Kritisch und analytisch hat er die Wechselbeziehungen in diesem Raum und ihre Folgen für die Weltpolitik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hinterfragt. Wie viele der griechischen Intellektuellen verbrachte auch Kaklamanis den größten Teil seines Lebens im Ausland, weil er oft in Opposition zu den herrschenden politischen Verhältnissen seines Heimatlandes stand.
Seine schriftstellerische Tätigkeit war auch der Anlass innerhalb von 40 Jahren eine etwa 5.000 Bücher umfassende Privatbibliothek aufzubauen, die sich überwiegend mit der Thematik des Mittelmeerraums befasst. Die Bibliothek besteht zu 60% aus Büchern in deutscher, zu 30% in griechischer und zu 10% in französischer Sprache.
Bibliothek von Carl Patsch
Der Gelehrte Carl Patsch (1865-1945) wirkte zunächst in Sarajevo, wo er 1904 das Bosnisch-Herzegowinische Institut für Balkanforschung gründete. Im Jahre 1921 trat er die Nachfolge Konstantin Josef Jirečeks an der Universität Wien an. In seiner 1956 vom Südost-Institut erworbenen Bibliothek (1.400 Bände) findet sich v. a. Literatur zu den Gebieten des westlichen Teils der Balkanhalbinsel.
Bibliothek von Franz von Scheiger
Im Jahre 1962 erwarb die Bibliothek des Südost-Institut den 500 Bände umfassenden Nachlass des Ingenieurs und Diplomaten Franz von Scheiger (1891-1960). Der Schwerpunkt seiner Sammlung lag auf der Geschichte Albaniens und seiner Nachbarstaaten. Außerdem befindet sich numismatische Literatur darunter.
Bibliothek von Fritz Valjavec
Fritz Valjavec (1909-1960) arbeitete seit 1935 am Südost-Institut, dessen Leiter er von 1955 bis zu seinem Tod war. Er prägte nachhaltig die Geschichte des Südost-Instituts wie auch die Südosteuropaforschung. So gründete er die Südosteuropa-Gesellschaft (SOG) und die Zeitschrift „Südost-Forschungen“. Während des Zweiten Weltkriegs war er in der Bukowina nachrichtendienstlich tätig. In seiner Bibliothek (2.300 Bände) spiegeln sich die Arbeitsgebiete seines Gelehrtenlebens wider. Sie umfasst die Geschichte der Länder der Habsburgermonarchie mit besonderem Schwerpunkt auf die deutschen Bevölkerungsteile in derselben.